Brauner Bär im Publikum: Dörscheid entdeckt die Welt der
Schmetterlinge
Bundesgartenschau Oberes Mittelrheintal 2029 gGmbH nach Dörscheid gefolgt, um
Schmetterlinge, Raupen und die Bedeutung der Insektenvielfalt aus ungewohnter
Perspektive kennenzulernen. Im Dorfgemeinschaftshaus und später im Umfeld der
Schwedenschanze verband die Veranstaltung fachliche Einordnung, sinnliche
Naturerfahrung und anschauliche Beispiele aus der Welt der Tag- und Nachtfalter.
Im Mittelpunkt standen die Beiträge von Dominik Eulberg, Natalia Eulberg und
Thomas Hörren. Dominik Eulberg eröffnete den Abend mit dem von Alexander von
Humboldt geprägten Gedanken: „Natur muss gefühlt werden.“ Dieser Satz wurde für
die Gäste unmittelbar erlebbar: Mehrere Raupen, darunter die Raupe des Braunen
Bären, wurden im Publikum gezeigt und vorsichtig herumgereicht. So entstand ein
direkter Zugang zu Arten, die vielen Menschen sonst eher verborgen bleiben.
Makroaufnahmen von Insekten zeigten anschließend, wie stark sich die
Wahrnehmung verändert, wenn man ihnen „von Angesicht zu Angesicht“ begegnet.
Schillernde Farben, regelmäßige Strukturen und feinste Details machten deutlich,
dass Insekten nicht nur ökologisch bedeutsam, sondern auch ästhetisch
beeindruckend sind. Die Referenten erklärten Unterschiede zwischen Tagfaltern,
Nachtfaltern und tagaktiven Nachtfaltern und ordneten die Vielfalt der Arten ein. Nach
den im Vortrag genannten Angaben gibt es weltweit rund fünf Millionen
Insektenarten; nur ein Teil davon ist bislang wissenschaftlich beschrieben. Ebenfalls
wurde darauf hingewiesen, dass ein großer Anteil heimischer Pflanzenarten auf
Insektenbestäubung angewiesen ist.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der sinnlichen Vermittlung. Dominik Eulberg, der als
Techno-DJ und Musikproduzent Naturklänge regelmäßig in elektronische
Klangwelten übersetzt, machte hörbar, wie vielfältig Insekten kommunizieren. Er
spielte selbst aufgenommene Geräusche vor, darunter Klicklaute einer
Totenkopfschwärmerraupe, das Pfeifen des Falters sowie Abwehrgeräusche des
Tagpfauenauges. So verband der Abend Naturbeobachtung, Klangkunst und
Umweltbildung auf anschauliche Weise. Natalia Eulberg berichtete aus ihrer Arbeit
mit Raupen und gab Einblicke in die große Artenvielfalt, die bereits im Larvenstadium
sichtbar wird. Der Abend sensibilisierte zugleich für Artensterben, den Verlust von
Biodiversität und den Rückgang von Farben- und Formenvielfalt in der Natur.
„Dörscheid zeigt, wie Umweltbildung niedrigschwellig, fachlich fundiert und zugleich
emotional zugänglich gelingen kann“, sagt Sven Stimac, Geschäftsführer BUGA
gGmbH. „Die BUGA29 möchte solche Perspektiven sichtbar machen: Wer Natur
versteht und erlebt, kann ihren Wert für die Region besser einordnen.“
Zum Abschluss führte der Abend nach draußen. Mit UV-Licht suchten die
Teilnehmenden in der Dämmerung nach Spuren von Raupen und Faltern. Auch ein
ungewöhnlicher Programmpunkt sorgte für Gesprächsstoff: Natalia Eulberg stellte
einen Tee aus getrockneten Raupenausscheidungen vor und erläuterte den Bezug zu
traditionellem Wissen. Die Veranstaltung knüpfte damit an Dörscheids Rolle als
„Schmetterlingsdorf“ an und machte deutlich, welches Potenzial in der Verbindung
von Naturerlebnis, Wissenschaft und regionalem Engagement liegt.

Fotos (BUGA29Sarah Pilgrim)
1. Natalia Eulberg, Thomas Hörren und Dominik Eulberg (v.l.n.r)
2. Verkostung des Tees aus Raupenexkrementen
3. Im Dunkeln werden die Raupen durch UV-Lampen sichtbar

